996: Yaḥyā b. Saʿīd al-Anṭākī zu einem Pogrom gegen ausländische christliche Händler in Alt-Kairo
DOI:
https://doi.org/10.18148/tmh/2026.8.1.98Schlagwörter:
Ägypten, Alt-Kairo, al-Fustat, Byzanz, Amalfi, Fatimiden, arabisch-christliche Historiographie, Pogrom, Gewalt, Christen unter muslimischer Herrschaft, Melkiten, Dhimma, ḏimma, Papst, byzantinisch-fatimidische Beziehungen, HandelAbstract
Im Frühjahr 386/996 beschuldigte ein wütender Mob eine als „Byzantiner“ (al-Rūm) klassifizierte Gruppe von Christen, die neu erbaute fatimidische Flotte in der Werft von Alt-Kairo in Brand gesetzt zu haben. Die Flotte war kurz davor auszulaufen und sollte den Kalifen al-ʿAzīz bi-llāh in seinem Krieg gegen Byzanz unterstützen. Mehr als einhundert Christen wurden getötet. Dabei kam zu massiven Plünderungen und einer harten Reaktion seitens der Behörden. Der Vorfall – vom zeitgenössischen arabisch-christlichen Chronisten Yaḥyā b. Saʿīd al-Anṭākī dokumentiert und in zwei Versionen in den späteren Werken al-Maqrīzīs überliefert – ist von der Forschung unterschiedlich kontextualisiert worden. Eine Forschungsrichtung nutzt die Berichte, um die Behandlung von ḏimmī-s, also Nichtmuslimen unter muslimischer Herrschaft, durch die Fatimiden zu diskutieren. Eine andere betrachtet die byzantinischen Opfer des Pogroms als Amalfitaner und wertet die Berichte somit als Beleg für intensivere wirtschaftliche Beziehungen zwischen Süditalien und Ägypten. Der Artikel führt diese beiden Perspektiven zusammen, indem er Yaḥyā b. Saʿīds Darstellung der Ereignisse mit denen al-Maqrīzīs vergleicht und den Vorfall vor dem Hintergrund der fatimidisch-byzantinischen Beziehungen, des interkonfessionellen und interreligiösen Zusammenlebens in Ägypten sowie des transmediterranen Handels betrachtet.
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